« | Hauptseite | »

Eine Nacht am Ufer

Von Planet Wedding | Dominique | 9. Juli 2009

Ich bin ehrlich: Wäre ich eine Nicht-Berlinerin und wollte besuchshalber einmal die große schöne Hauptstadt sehen, ich wählte für meinen Aufenthalt sicher nicht gerade den Wedding aus. Oder vielleicht doch, weil das Image des Ex-Bezirks gerade bis zur Stadtgrenze reicht und mich nicht berühren würde. Ich habe ja auch im schlecht bewerteten Viertel beim Bahnhof in Rom bestens geschlafen und nichts mitbekommen von Tod und Teufel. Oder damals in London.

Jan Bierbrauer würde mir zustimmen. Ihn hat es von Hannover nach Berlin verschlagen. Er wohnt im Wedding. Er hatte kein Bild im Kopf als er kam. Das Bild, das er sich im Laufe der Jahre erarbeitet hat, blieb positiv, und er gestaltet es mit. Jan Bierbrauer wohnt in einer alten Fabriketage in der Uferstraße gleich neben den Uferhallen. Er hat eine riesige Wohnung mit angeschlossenem Atelier, die Panke fließt vor seiner Tür, er kennt die schönste Bank am Flüsschen, nette Ausgehmöglichkeiten, viele Künstler und eine Champagnerbar in der Prinzenallee. Alles im Wedding. Ohne Vorurteile ist er gekommen und hat in seiner Etage ein kleines Hostel mit vier Zimmern ausgebaut und es Ufernacht genannt. Er hat sich nicht überlegt ob es Besucher blöd finden könnten, im Schmuddel-Wedding zu nächtigen.

Eine Übernachtung bei Jan ist günstig und gemütlich. Für 25 Euro/Nacht schläft man in hübsch ausgebauten Zimmern, die von Künstlern eine individuelle Note erhielten. Es gibt eine sehr schöne große Küche, ein Gemeinschaftsraum mit vielen Videos und den Hauskater Oskar. Alles sehr WG-like, alles sehr gemütlich.

„Die Leute, die hier her kommen, wissen nicht, in welche Ecke sie gekommen sind“, sagt Jan. Sie kommen von überall auf der Welt und landen im Wedding. 20 Minuten vom Flughafen Tegel und gleich am U-Bahnhof Pankstraße, mitten in Berlin. „Unsere Anbindung hier ist sensationell.“ Seine Gäste, so sagt er, sind zufrieden. Jan Bierbrauer macht ebenfalls einen entspannten Eindruck. Und deshalb ist für ihn klar, dass er sich einen neuen Standort für sein Hostel suchen wird wenn er demnächst die Räumlichkeiten verlassen muss. „Natürlich bleibe ich im Wedding. Am besten in der Uferstraße“, sagt er.

Hostel Ufernacht, Uferstraße 6, 13357 Berlin, Telefon: (0176) 16 46 00 02

Themen: Ankommen | 3 Comments »
Tags: , , , , ,

3 Kommentare zu “Eine Nacht am Ufer”

  1. vilmoskörte Says:
    10. Juli 2009 um 17:53

    Klasse, da werde ich auch mal Besucher unterbringen, danke für den Tipp!

  2. Alex Says:
    29. August 2009 um 23:19

    Der Wedding ist große Scheisse. Er wird auch immer schlimmer. Das ganze Schöngerede von den Berliner Problemkiezen kann doch keiner mehr hören. Und wenn eine oder zwei Strassen im Wedding „gehen“, ändert das ja nixs an der Gesamtsituation da. Das da nen bissel Quartiersmanegment für Veränderung sorgt kann man vergessen, das funktioniert seit Jahrzehnten weder in Neukölln oder Moabit.

  3. carsten Says:
    30. November 2009 um 01:45

    alex hat recht. machen wir eben wedding und neukölln und moabit zu. und keine diskussion mehr, basta.

Kommentare