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Sommer und Winter

Von Planet Wedding | Dominique | 14. November 2009

Vielleicht ist es nicht der richtige Zeitpunkt für solche Gedanken. Vielleicht sollte ich an Weihnachten denken, an meinen alten Holzschlitten, den der kleine Weddinger in diesem Jahr erstmals benutzen wird und an romantische Candlelight-Abende bei heißem Tee und Boogie-Blues. Doch ich denke an Kleingärten. Ich träume von hübsch gepflegten Parzellen, über deren Zäune hinweg mir wilder Flieder zunickt. Ich denke an das Grün des späten Sommers, an den Geruch von Lavendel und Studentenblumen.

Ich weiß nicht, ob ich ein Kleingartentyp bin. Ich stelle mir vor, dass es mir zu eng ist, zu klein. Aber der Mit-Weddinger schätzt kuschelige Höhlen und ich das Grün. Deshalb haben wir schon einmal über ein Gärtchen nachgedacht. Für die Kinder wäre es toll, mein grünes Herz könnte erblühen und der Mit-Weddinger hätte vielleicht einen hübschen Platz zum Lesen. Noch ist nicht klar, wer die Blümchen gießen würde (und ob überhaupt). Nur deshalb zögerten wir.

Ich hätte nie gedacht, dass Berlin die Stadt der Kleingärtner ist. Ich sah immer nur Straßen und Hochhäuser und Clubs und Cafés und Universität. Heute spaziere ich durch die kleinen Oasen der Stadt und freue mich, dass die Geschichte meiner Wahlheimat einen solchen Trumpf in die Hand gespielt hat. Mehr als 76000 Kleingärten gibt es in Berlin (Hamburg hat nur 36000 Parzellen), zusammengefasst in fast 1000 Kolonien. Die Schrebergärten nehmen 3160 Hektar ein. Kein Qudratmeter ist verschenkt, finde ich.

Nirgendwo liegen die Kleingärten so zentral wie in Berlin. Das liegt daran, dass Anfang des 19. Jahrhunderts die so genannten Armengärten bewusst in der Nähe der großen Firmen wie Siemens oder AEG angelegt wurden. Ich profitiere heute davon, wenn ich durch die Kolonien im Wedding spaziere (zumindest in Gedanken, denn es ist ja leider Herbst und ich soll an heißen Tee denken).

Im Wedding gibt es fast 2000 Kleingärten, lerne ich vom Kleingartenverein. Es gibt 27 Kolonien, die größte liegt im Afrikanischen Viertel. Vielleicht könnte ich mir dort zu Füßen der hohen Häuser eine grüne Scholle aussuchen. Ich könnte gärtnern, grillen, endlich eine Hängematte aufhängen und den Kinderchen beim Hopsespielen zusehen. Der Mit-Weddinger blättert und blättert und ich döse den Tag weg. Natürlich ohne Gartenzwerg. Dafür mit bunten Lampions, die ich überall verteilen würde und die an lauen Abenden hübsch aussehen. Wenn doch nur Sommer wäre!

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3 Kommentare zu “Sommer und Winter”

  1. franzhavel Says:
    14. November 2009 um 21:15

    Kleingärtner müssen aber Gemüse anbauen – mit Hawaii hat kleingärtnern leider nur wenig zu tun

  2. Planet Wedding | Dominique Says:
    14. November 2009 um 21:18

    Danke für den Einwand. Ich finde grüne Gurke auf Brot sehr romantisch. Ich lade Dich ein auf ein Radieschen aus eigenem Anbau. Das ist scharf!

  3. Florian Says:
    15. November 2009 um 18:21

    Bei diesen Plänen kann ich nur sehr laut und vernehmlich zustimmend nicken! Des Gärtners Glück erfahre auch ich seit diesem Sommer. Vor allem die Obstbäume machen Spaß, es gab gläserweise Hollundergelee und Pflaumenmus. Allerdings solltet ihr die Arbeit nicht unterschätzen. Im Sommer täglich die Beete zu gießen, regelmäßig Unkraut zu jäten und die vielen weiteren Aufgaben zu bewerkstelligen ist harte Arbeit. Da ich Allmende-Lösungen mag bin ich froh nur zu 1/6 an dem Gärtchen in Treptow beteiligt zu sein – bzw. 1/7, wenn ich das Baby mitzähle, das manchmal über die Wiese krabbelt. Also mein Rat: sucht euch noch andere Weddinger die sich die Arbeit (und die Erträge) mit euch teilen. Vielleicht gedeihen in einem kleinen Gewächshaus auch Ananas, für Toast Hawaii.

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