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Es ist vorbei
Von Planet Wedding | Dominique | 22. November 2009Heute hat in meiner Straße eine Revolution stattgefunden. Das Volk (hier: die Autofahrer) hat sich erhoben gegen die Besatzer (hier: die Straßenbaufirma). Monatelang haben wir zugesehen wie vor unserem Fenster absurdes Theater gegeben wurde, wie Möchtegernkünstler des Straßenbaunebengewerbes (oder wie das auch immer heißt) in musivischer Technik und nach den Regeln der Chaostheorie unsere Straße geschunden haben.
Traurig schauten wir im Sommer zwischen den Gardinen hervor als unser Energielieferant die Straße aufbuddeln ließ und unsere heile Weddinger Parkflächenwelt aus dem Gleichgewicht brachte. Wir trösteten uns: Dies ist ein endlicher Zustand. Plaster auf, Loch ausgehoben, in der Tiefe rumgewirtschaftet, Sand wieder reingekippt, Pflaster drüber, fertig. So lange kann das schließlich nicht dauern.
Wir übten uns in Geduld als sie kamen und schippten, als sie irgendwann im Erdreich rumfummelten (nur wann? – keiner hat es gesehen) und atmeten auf, als sie zur angesagten Zeit den Rückzug begannen. Ein großer Bagger mit Sand kam, um die Ordnung wieder herzustellen. Doch als die Pflasterbrigade kam, wurde es eigenartig. Ein bunter Haufen Kerle brachte uns erst zum Lachen, dann ganz langsam zur Verzweiflung. Nicht nur, weil sie meistens rumstanden oder ihre Handys benutzten. Nicht nur, weil sie nur an einem Tag der Woche erschienen. Nicht nur, weil sie einfach nicht fertig wurden. Ihr Stil war uns fremd. Sand rein an einem Tag, Sand wieder raus am anderen. Steine sortiert in einer Woche, umsortiert in der nächsten. An drei Stellen gleichzeitig mit dem Pflastern begonnen, jeweils nur zwei Reihen geschafft. Dann wieder extra eingeschippten Sand wieder ausgebuddelt. Dann gerüttelt. Einmal ein kleines Stückchen (zur Probe?). Dann zwei Wochen nichts. Dann nochmals das gleiche Stück, den Rest irgendwann. Wir waren verwirrt.
Inzwischen war viel Zeit ins Land gegangen, der versprochene Fertigstellungstermin lange überschritten. Legen die da ein Mosaik? Wurde ich spöttisch gefragt … Kunst ist manchmal schwer zu ertragen. Manchmal lässt sie den Blutdruck steigen. Etwa den des Mit-Weddingers, der da sagte: “Ich geh da gleich runter und verlege die Steine selbst!” Ich gebe zu, ich hatte den Gedanken auch schon.
Heute haben wir Autofahrer schließlich zivilen Ungehorsam geübt. Wir parken jetzt einfach wieder da, wo wir unser Parkgewohnheitsrecht wissen. Ist doch fertig. Ist uns schnuppe, dass es Baustelle ist. Ist uns egal, dass dort Parkverbot ist. Das Loch ist zu, das Pflaster drauf. Jetzt reicht es!
Während ich meinen Wagen parke, denke ich an Element of Crime.
Die Gemeinschaft der Autofahrer hat heute entschieden, dass die Baumaßnahme in unserer kleinen, stillen Straße beendet ist. Sollen sie woanders Kunst spielen.
Themen: Ach nee?! | 3 Comments »
Tags: berlin, berlin-wedding, straßenbau, wedding
23. November 2009 um 11:20
Ich sehe schon die gelben Rundumleuchten des Abschleppdienstes. Ist dann die Revolution zu Ende?
30. November 2009 um 01:40
martenstein plant ähnliches.
21. January 2010 um 09:45
Es ist beendet und im Sinne der Revolutionäre gut ausgegangen. Niemand wurde abgeschleppt. Die Pflasterbrigade hat aufgegeben. Sie haben alles eingepackt und sind verschwunden. Als letztes nahmen sie die Parkverbotschilder mit.
Viva la revolución!