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Willkommen in der Wiesenburg

Von Planet Wedding | Dominique | 14. Januar 2010

Zweimal war ich Gast in der Wiesenburg. Gelangweilt habe ich mich bei keinem der beiden Male, vielleicht ein wenig gewundert und auch gestaunt. Einmal führte mich eine Dame spontan durch die imposante Ruine. Ich hatte dabei das Gefühl, etwas Wichtiges entdeckt zu haben, bedeutende Schritte zu machen.

Einmal traf ich Joe.

Joe, der eigentlich Joachim Dumkow heißt, hat eine Wohnung, in die ich sofort einziehen würde. Eine hübsche Filmsammlung, Schallplatten und Kunst an den Wänden. Altbau im Wedding. Joe ist zu beneiden. Er lebt inmitten dieser schaurig-romantischen Filmkulisse („Lili Marleen“, „Die Blechtrommel“), dreht kleine Videos, schreibt Gedichte und plant Kulturevents, zu denen er sich gern einige Freunde mehr einlädt. Platz hat er ja, ein verwunschenes Grundstück mit historischer Restbebauung, 12000 Quadratmeter groß.

Von Joe erfuhr ich von Berliner Asyl Verein für Obdachlose, dem 1896 eingerichteten Obdachlosenasyl am Panke-Ufer (bekannt als Wiesenburg), von bedeutendenen Gründervätern (unter ihnen Rudolph Virchow) und intensiver Nutzung des Geländes (30.000 Übernachtungen allein in den ersten zwei Jahren).

Joe ist nett, servierte Kaffee, zeigte mir ein Video vom letzten Sommerfest und fasste die Geschichte der Wiesenburg zusammen und lieh mir sofort die Chronik aus, die er bald als Büchlein veröffentlichen möchte. Er beantwortete meine Fragen, doch eine Frage nahm ich unbeantwortet mit nach Hause: Warum schläft das Denkmal Wiesenburg in der Halböffentlichkeit. Ich, die den ebenfalls denkmalgeschützten Alten Gutshof in Strausberg  mit zum Leben erweckte, bin begeistert und träume sofort von Kulturprogrammen und öffentlichem Leben gleich um die Ecke, von tollen Open-air-Konzerten, Freiluftkino in der Ruine, Tanz im Denkmal und und und. Machen die Wiesenburger nicht. Sie öffnen die Tür nicht jedermann. Wir, der Mit-Weddinger und ich, rätseln gemeinsam warum die Wiesenburger auf den ersten Blick etwas öffentlichkeitsreserviert sind. Wir finden keine schlüssige Erklärung. Gefragt haben wir Joe nicht.

Man ahnt nicht, was sich hinter dem Zaun mit dem Hinweis „Privatgelände“ verbirgt. Wenn man sich der Wiesenburg nähert, gelangt man an die Grenze der Öffentlichkeit, weil die Wiesenburger nicht öffentlich sein wollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht gastfreundlich sind. Ganz im Gegenteil.  Und ich käme gern einmal wieder.

Wiesenburg, Wiesenstraße, Berlin-Wedding

Themen: Ach nee?!, Vier von hier | 6 Comments »
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6 Kommentare zu “Willkommen in der Wiesenburg”

  1. franzhavel Says:
    14. Januar 2010 um 21:51

    Joe Dumkow ist jetzt bei Facebook – also alles öffentlich. Hihi.

  2. Wiesenburger Says:
    19. Januar 2010 um 23:35

    Na siehste, geht doch. Eine Person des öffentlichen Lebens, ha! Nur die Kicherei und das Facebook- Gelaber stört mich schon etwas (Stichwort: Privatssphäre), aber dazu ist´s wohl etwas zu spät!

  3. geraldine hepp Says:
    20. Januar 2010 um 01:45

    gut ding will weile haben

    da gibt s so ne Geschichte, von dem Mann, der Schmetterlinge liebte. und eines Tages, da fand er heraus, dass die Raupen eigentlich Schmetterlinge waren! und dann, eines Tages, packte es ihn und er fühlte riesen großes Mitleid mit diesen Raupen, die zu Puppen wurden, diesem unbeweglichen Stadium der armen RaupenSchmetterlinge, da wollte er sie befreien aus dem Gefängnis der Stille und Versteckens. Da nahm er also eine Schere und schnitt die Puppe auf, um den armen Schmetterling zu befreien. Weil er liebte Schmetterlinge ja so.

    Aber leider, der Schmetterling war nur halbfertig und aber ganz tot.

    :)

    Liebe Grüsse
    die Pankenzessin

  4. Berliner Blogs im Wikio-Ranking Februar 2010 – Von Stefan Stahlbaum Says:
    23. Februar 2010 um 17:42

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  5. Legowomen Says:
    23. Oktober 2011 um 17:32

    So kann es einem gehen, wenn mann nicht denn Mund halten kann. Ist doch gut wie viele sich im wwweb verhasbeln.

    Legowomen

  6. Robert Says:
    15. Juli 2013 um 13:04

    Zum Einen: welche Familie öffnet der Öffentlichkeit ihr zu Hause, nur weil es so ein schöner Ort ist? Und zum Anderen: In einer Zeit, wo alles aufgehübscht, ökonomisiert und bespielt wird, braucht es eine Wiesenburg, die in dieser ganzen Nutzungsdebatte aussen vor bleibt. Weil dieser Ort so exklusiv, so verzaubert ist, gibt es ihn noch auf diese Art, jede andere Entwicklung würde die Gefahr bergen, dass dieser Platz von der Umgebung und Berlin einverleibt und aufgesogen würde. Solche Kleinode sollten „geheim“ bleiben…

Kommentare