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Ein Traum von einem Café
Von Planet Wedding | Dominique | 31. August 2010Der Traum:
Ich wollte einmal in dem leeren Ecklokal in meiner Straße ein Café eröffnen. Ich hatte mir überlegt, ich könnte guten Kaffee verkaufen, vom Geschmack her nicht verbrannt, nicht zu mild. Denn den trinke ich gern. Und ich habe in Betracht gezogen, das Mittagsbistro der Herrschaften von der Deutschen Welle und den Angestellten der kleinen Fakultät der TU zu werden. Falls die mal keinen Döner oder Pausenbrot zum Mittag essen möchten, hätte ich als einzige weit und breit Salate mit Walnusskernen und Gorgonzola angeboten, Quiche und selbstgemachte Pizza. Ich sah mich in der Küche stehen, mit einer langen Schürze vor dem Bauch und verlockend riechenden Kuchen backen. Ich sah mich, wie ich mein Plaudertalent täglich gerne an jeden Gast verschenkte. Ich bin um das leere Ladenlokal geschlichen, der kleine Weddinger kletterte gern die Stufen empor, schaute mit mir durch die Fensterscheiben. Ich wollte den Mitweddinger als Mitstreiter herbeireden. Ich träumte mir ein Mitte-Café im Weddinger Kiez.
Die Realität:
Ich habe mich nicht getraut. Die Familie, die Kinder, das Weddinger Publikum, das Risiko. Ich habe zu viele “aber” gedacht. Ich habe beim Träumen kalte Füße bekommen.
Die Ernüchertung:
Ann-Kathrin und Martha aus dem Prenzlauer Berg waren mutiger als ich. Sie haben in meinem geträumten Café ein echtes Café eröffnet, das freysinn. Sie haben es hübsch gemacht, sehr hübsch. Sie verkaufen was ich verkaufen wollte. Sie plaudern wie ich plaudern wollte. Und jeden Tag kommen die Leute von der Deutschen Welle und von der TU und kaufen Salat mit Walnüssen, klappen ihre Laptops auf (WLAN gibt es natürlich auch) und trinken leckeren italienischen Kaffee.
Die Conclusio:
Es gibt guten Kaffee im Brunnenviertel.
Es gibt ein chick-charmantes Café-Bistro im südlichen Wedding.
Ich kann mit meinem Laptop unterm Arm über die Straße gehen, nett mit Martha und Ann-Kathrin plaudern, etwas surfen, Koffein tanken, Kuchen essen, neben den Leuten von der Deutschen Welle sitzen und mich über meine großartige Idee vom Café an der Ecke freuen. Oder mich ärgern.
Ich bin ein Hasenfuß.
Café+Bistro freysinn, Jasmunder Straße 5, 13355 Berlin; Mo-Fr 8-18 Uhr, So 11-17 Uhr Brunch
Themen: Ankommen | 7 Comments »
Tags: berlin, kaffee, Lebensfreude, Mitte, wedding
1. September 2010 um 08:38
Das kommt mir bekannt vor, bei mir waren es Sandwiches, in der Zeit vor Starbucks. Aber schön,mal wieder etwas vom fernen Planeten zu lesen.
5. September 2010 um 23:31
Warum denn so negativ? Etwas besseres hätte dir gar nicht passieren können! Wo ein Café bestehen kann, belebt ein zweites noch das Geschäft. Jetzt weist du, dass es funktioniert, kein Risiko mehr für dich. Du kannst doch dort anheuhern, Erfahrung sammeln und in einem Jahr macht ihr gemeinsam eine zweite Filiale auf.
7. September 2010 um 20:08
Keine schlechte Idee. Kommst Du dann bei mir Kaffeetrinken?
7. September 2010 um 20:09
Danke für die Blumen, oachkatz! Und wie stehst Du heute zu den Sandwiches?
17. November 2010 um 15:44
[...] Wedding. Abseits des Touristenbusmagneten Berliner Mauer, jenseits der Bernauer Straße (von Euch aus gesehen, liebe Mitte-Prenzlauerberger), in meinem Wohnquartier in gefühlter Stadtrandlage, heute Mittag im Café-Bistro Freysinn: [...]
19. November 2010 um 10:32
Das kommt davon, wenn man Blogs im Feedreader liest: man übersieht die Antwort auf die eigenen Kommentare. Falls die aber noch interessiert: ich mag Sandwiches immer noch sehr gern und bisher habe ich niemand gefunden, der sie in der Qualität und Vielfalt machen würde wie ich es mir vorgestellt hätte. Aber es gibt so viel durchschnittliches Angebot jetzt, gegen das meine Hasenfußigkeit schon gleich gar nicht mehr antreten mag.
14. December 2011 um 10:49
[...] Wedding. Abseits des Touristenbusmagneten Berliner Mauer, jenseits der Bernauer Straße (von Euch aus gesehen, liebe Mitte-Prenzlauerberger), in meinem Wohnquartier in gefühlter Stadtrandlage, heute Mittag im Café-Bistro Freysinn: [...]