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Stephan Hentschel, eine Textprobe

Von Planet Wedding | Dominique | 29. April 2014

Wenn Stephan Hentschel auf seinem Nachdenksofa in sitzt, dann blättert er oft in einem Buch. Oft dreht sich auch der Plattenspieler zur Musik. Wenn Stephan Hentschel Musik hört, dann ist es Swing oder House oder Disco. Oder Filmmusik. Das Nachdenksofa steht in einer 300 Quadratmeter großen WG im nördlichen Mitte mit hohen Decken, viel Platz, einem schönen Ausblick und wenig Möbeln. Es ist Stefans Ort der Entspannung vor oder nach einem langen Tag als Chefkoch des Cookies Cream in Berlin-Mitte, als kulinarischer Taktgeber im Chipps No.1 in der Jägerstraße und im Chipps No.2 in der Friedrichstraße.

Die Musik war es auch, die den heute 29 Jahre alten Koch nach Berlin lockte. „Ich habe meine Jugend in eine Club verbracht“, sagt er und meint einen Jugendclub im sächsischen Riesa, in dem die damals neue Technomusik gespielt wurde. Und weil in den Kellern und Clubs um die gerade gefallene Berliner Mauer das Zentrum der Technobewegung war, wollte Stephan Hentschel an die Spree. Nach seiner Ausbildung im Gasthaus zur Post in Landbergen fuhr Stephan Hentschel nach Berlin, dem Techno, den Clubs, dem Nachtleben entgegen. In Berlin fand er nicht nur die Musik. Er arbeitete mal in diesem Restaurant, mal in jenem, mal im Majakowski in der Malplaquetstraße, mal im Noi quattro am Strausberger Platz, dann im Renger-Patzsch in Schöneberg. Es waren Stationen auf der Suche nach einem eigenen Weg.

2007 eröffnete er mit dem als Party-König bekannten Vegetarier Heinz Gindullis das Cookies Cream. Noch heute kocht Stephan Hentschel dort jeden Abend einfallsreiche vegetarische Menus. „Wir verzichten auf Pasta, Tofu und Reis. Das ist es, was Vegetarier meistens vorgesetzt bekommen. Das wollten wir anders machen“, erklärt er die Idee des ersten ernsthaften vegetarischen Restaurant der Stadt. Dem Cookies Cream gab der junge Koch seine persönliche Note: gekocht wird, was die Bauern auf den Feldern in Brandenburg gerade geerntet haben, traditionsbewusst und kreativ. Manchmal blättert der Chefkoch auf seinem Nachdenksofa in den Kochbüchern seiner Uroma, und auf dem Dach des Cookies Cream werden Blutampfer und Schafgarbe gezüchtet.

Wenn Stephan Hentschel aus seinem Sofa sitzt und nachdenkt, denkt er vielleicht auch manchmal über Paul Bocuse nach. Denn wie der französische Starkoch will er nicht nur bei Töpfen und Pfannen in der Küche stehen, er will Gastgeber sein. Deshalb pendelt er jeden Tag zwischen Cookies Cream, Chipps No.1 und Chipps No.2, steht vorn im Gastraum bei den Bedienungen und begrüßt die Gäste persönlich.

Irgendwann vor drei Jahren habe ich Stephan Hentschel getroffen. Stephan Hentschel, den Koch. Er regiert die Töpfe und Pfannen im Cookies Cream und im Chipps No. 1 und ist Mitinhaber des Gastro-Pubs Volta in der Brunnenstraße. Weil ich zwar gern gut esse, aber selten Magazine lese, kannte ich ihn nicht. Ich habe ihn getroffen und ich muss sagen, ich fand es ein sehr nettes Gespräch. Der Text, den ich damals über ihn für die Feinschmeckerfestival-Zeitung der eat!Berlin schreiben wollte, wurde nur halb fertig, weil … hm, ja, warum eigentlich? Ich habe es vergessen. Aber als ich Stephan Hentschel mit seinem auffälligen Schnurrbart neulich auf der Straße gesehen habe – was öfter vorkommt, denn er wohnt gleich bei mir um die Ecke – fiel mir die unvollendete Textprobe wieder ein.

Themen: Vier von hier | No Comments »
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