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	<title>planet wedding &#187; Vier von hier</title>
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	<description>- Lebenszeichen aus Berlin</description>
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		<title>Willkommen in der Wiesenburg</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 20:24:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Planet Wedding &#124; Dominique</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zweimal war ich Gast in der Wiesenburg. Gelangweilt habe ich mich bei keinem der beiden Male, vielleicht ein wenig gewundert und auch gestaunt. Einmal führte mich eine Dame spontan durch die imposante Ruine. Ich hatte dabei das Gefühl, etwas Wichtiges entdeckt zu haben, bedeutende Schritte zu machen. Einmal traf ich Joe. Joe, der eigentlich Joachim Dumkow [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zweimal war ich Gast in der Wiesenburg. Gelangweilt habe ich mich bei keinem der beiden Male, vielleicht ein wenig gewundert und auch gestaunt. Einmal führte mich eine Dame spontan durch die imposante Ruine. Ich hatte dabei das Gefühl, etwas Wichtiges entdeckt zu haben, bedeutende Schritte zu machen.</p>
<p>Einmal traf ich Joe.</p>
<p>Joe, der eigentlich Joachim Dumkow heißt, hat eine Wohnung, in die ich sofort einziehen würde. Eine hübsche Filmsammlung, Schallplatten und Kunst an den Wänden. Altbau im Wedding. Joe ist zu beneiden. Er lebt inmitten dieser schaurig-romantischen Filmkulisse (&#8220;Lili Marleen&#8221;, &#8220;Die Blechtrommel&#8221;), dreht kleine Videos, schreibt Gedichte und plant Kulturevents, zu denen er sich gern einige Freunde mehr einlädt. Platz hat er ja, ein verwunschenes Grundstück mit historischer Restbebauung, 12000 Quadratmeter groß.</p>
<p>Von Joe erfuhr ich von Berliner Asyl Verein für Obdachlose, dem 1896 eingerichteten <a href="http://www.luise-berlin.de/lexikon/mitte/w/wiesenburg.htm" target="_blank">Obdachlosenasyl </a>am Panke-Ufer (bekannt als Wiesenburg), von bedeutendenen Gründervätern (unter ihnen Rudolph Virchow) und intensiver Nutzung des Geländes (30.000 Übernachtungen allein in den ersten zwei Jahren).</p>
<p>Joe ist nett, servierte Kaffee, zeigte mir ein Video vom letzten Sommerfest und fasste die Geschichte der Wiesenburg zusammen und lieh mir sofort die Chronik aus, die er bald als Büchlein veröffentlichen möchte. Er beantwortete meine Fragen, doch eine Frage nahm ich unbeantwortet mit nach Hause: Warum schläft das Denkmal Wiesenburg in der Halböffentlichkeit. Ich, die den ebenfalls denkmalgeschützten <a href="http://www.bundtstift.de" target="_blank">Alten Gutshof in Strausberg  </a>mit zum Leben erweckte, bin begeistert und träume sofort von Kulturprogrammen und öffentlichem Leben gleich um die Ecke, von tollen Open-air-Konzerten, Freiluftkino in der Ruine, Tanz im Denkmal und und und. Machen die Wiesenburger nicht. Sie öffnen die Tür nicht jedermann. Wir, der Mit-Weddinger und ich, rätseln gemeinsam warum die Wiesenburger auf den ersten Blick etwas öffentlichkeitsreserviert sind. Wir finden keine schlüssige Erklärung. Gefragt haben wir Joe nicht.</p>
<p>Man ahnt nicht, was sich hinter dem Zaun mit dem Hinweis &#8220;Privatgelände&#8221; verbirgt. Wenn man sich der Wiesenburg nähert, gelangt man an die Grenze der Öffentlichkeit, weil die Wiesenburger nicht öffentlich sein wollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht gastfreundlich sind. Ganz im Gegenteil.  Und ich käme gern einmal wieder.</p>
<p><em>Wiesenburg, Wiesenstraße, Berlin-Wedding</em></p>
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		<title>Herr Sch. oder: Eine Replik</title>
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		<pubDate>Sun, 10 May 2009 10:15:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Planet Wedding &#124; Dominique</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vier von hier]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Ist das ihrs?&#8221;, wurde der Mit-Weddinger am frühen Morgen auf der Treppe von Herrn Sch. festgenagelt, mit strengem Blick. Nein, es war nichts seins. Auch nicht meins oder das der Kinder. Denn wir werfen keine Gegenstände vom Balkon. Kopfschüttelnd bekam ich den Treppenwitz serviert. So ein Blödmann. Der spinnt ja wohl! Einmal, da pustete Kind Nummer eins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Ist das ihrs?&#8221;, wurde der Mit-Weddinger am frühen Morgen auf der Treppe von Herrn Sch. festgenagelt, mit strengem Blick. Nein, es war nichts seins. Auch nicht meins oder das der Kinder. Denn wir werfen keine Gegenstände vom Balkon. Kopfschüttelnd bekam ich den Treppenwitz serviert. So ein Blödmann. Der spinnt ja wohl!</p>
<p>Einmal, da pustete Kind Nummer eins voller Elan ins Instrument. Es dauerte nicht lange, da klingelte es an der Tür. Das Gewissen des Aufgangs informierte uns, dass dies gegen die goldene Regel sei. &#8220;So geht das aber nicht&#8221;, ließ er uns wissen. Schließlich sei das ein ordentliches Haus und er sei von der Hausgemeinschaft mit der wichtigen Aufgabe des Schlichters betraut worden. Sozusagen.</p>
<p>Als ich noch in der Kleinstadt wohnte, wurde ich von Herrn V. moraltechnisch betreut. Er inspizierte regelmäßig die Treppe, die wir selbst zu reinigen hatten und wies mich bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass ich nachlässig war in Sachen Hausputz. Einmal stand er mit einem gelben Kleidungsstück vor der Tür: &#8220;Ich nehme an, das ist ihrs&#8221;. War es nicht. Der gelbe Stoff hatte die von Herrn V. gefühlte maximale Hängedauer auf dem Wäscheboden überschritten. Aber wie gesagt, es war nicht meins. Spätestens als ich Herrn V. im Aufgang mit einem Walkie Talkie erwischte, in das er zischelte &#8220;zweite Etage o.k.&#8221;, verfluchte und bedauerte ich den Treppenterrier. Kurz vor meinem Umzug in Herrn Sch.&#8217;s Haus waren wir, Herr V. und ich, in einen knallharten Briefkrieg (über den Vermieter) verstrickt.</p>
<p>Im Online-Lexikon <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Blockleiter" target="_blank">Wikipedia</a> firmiert der Blockwart unter der Bezeichnung Blockleiter und hat seinen Ursprung im Nationalsozialismus. Ein Blockleiter war einst für 40 bis 60 Haushalte mit etwa 160 Personen zuständig. Endlich mal ein Job, bei dem sich die Arbeitsbedingungen stetig verbessert haben. Herr Sch. fühlt sich nur für zwölf Wohneinheiten verantwortlich, mein Ex-Herr-V. hatte nur acht Parteien zu betreuen.</p>
<p>Doch halt. Ich versteige mich.  Ich ärgere mich, weil ich nie eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Hausnummer" target="_blank">goldene Hausnummer</a> erhalten wollte. Ich ärgere mich, weil ich auch mal nachlässig sein möchte. Weil ich wenig Zeit habe und keine Lust auf Gängelung durch Nachbarn. Doch halt. Der Nachbar hat recht: Man wirft keine Gegenstände vom Balkon, man wischt die Treppe ordentlich und man nimmt auch die Wäsche wieder ab. Weil man es schön haben will, da wo man wohnt. Man möchte nur nicht immerzu erinnert werden, dass das Leben auch aus Pflicht besteht, langweiliger Pflicht. Und man fühlt sich sofort an die Kindheit erinnert: wenn man den Müll nicht runterbringt, gibt es Stubenarrest &#8230;</p>
<p>Wie schnell kommt man mit den Nazis. Wie schnell sagt man: Blockwart. Und vergisst dabei, dass man wegen der aufmerksamen alten Herrschaften (die zumeist seit Errichtung der Häuser dort wohnen und eine Art ehrenamtliche Hausmeister sind) das Fahrrad unangeschlossen im Hof stehenlassen kann. Und, verdammtnochmal, dass sie recht haben.</p>
<p>Werde ich auch mal Blockwart? Ich werde auch mal Blockwart!</p>
<p><em>Für die Gegenrede empfehle ich die Lektüre von </em><a href="http://mequito.org/stories/975" target="_blank"><em>Mek Wito</em></a><em>. Wie immer sehr erfrischend!</em></p>
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		<title>Es war einmal in Berlin</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Apr 2009 10:32:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Planet Wedding &#124; Dominique</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vier von hier]]></category>
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		<category><![CDATA[wedding]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man mal ein Notstromaggregat benötigt (kann ja sein) oder eine Couch aus den 50er Jahren mit Blumendekor oder eine Auskunft über interessante Flohmärkte in Berlin oder eine CD mit selbstgemachter nonprofit-Musike, dann fragt man Hannes. Hannes ist in allen Fragen der Improvisation bewandert, das hat er in der DDR offenbar gründlich gelernt, und kennt jeden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man mal ein Notstromaggregat benötigt (kann ja sein) oder eine Couch aus den 50er Jahren mit Blumendekor oder eine Auskunft über interessante Flohmärkte in Berlin oder eine CD mit selbstgemachter nonprofit-Musike, dann fragt man Hannes. Hannes ist in allen Fragen der Improvisation bewandert, das hat er in der DDR offenbar gründlich gelernt, und kennt jeden alternativen Partytermin in der Stadt.  </p>
<p>Ich kenne Hannes aus der Zeit als gleich nach der Wende in eingefallenen Kellern im Zentrum Berlins die Technobewegung geboren wurde. Wir zogen gemeinsam durch endlose Nächte von Party zu Party und Hannes drehte gelegentlich das schwarze Gold auf dem Plattentellern bis zur Besinnungslosigkeit (der Tonträger, nicht unserer). Wir teilten die Begeisterung für die Aufbruchstimmung, das leicht morbide, die Kreativität in der Berliner Luft. Mit seinem Trabant sausten wir durch die Stadt, tausend Projekte im Kofferraum. Als Hannes 1994 auf der Love Parade auflegte, stand ich auf dem Wagen neben ihm und tanzte im knappen Shirt zu seiner Musik, als es Partys zu organisieren gab, war ich an seiner Seite. Wie Pat und Patterchon.</p>
<p>Nach vielen gemeinsamen Jahren, in denen ich ihm gelegentlich Obdach gab, trennten sich unsere Wege. Wie und warum das geschah, weiß ich nicht genau.</p>
<p>Jetzt haben wir uns wiedergefunden. Im Wedding. Hannes wohnt in einem alternativen Wohnprojekt im Wedding, ich wohne einige Straßen weiter und bin, so sagte man mir, vermutlich viel spießiger geworden als damals. Bürgerlich mit wilder Ehe und Kind und Neubauwohnung und Balkon. Doch wenn ich Hannes treffe, fühle ich mich wieder ein wenig wie früher. Tief in mir drin bin ich noch ein wenig die, die ich früher war. Man sieht es nur nicht mehr so leicht. Hannes ist auch ruhiger geworden. Er ist jetzt verlobt. Er trägt noch immer viele Ideen mit sich herum und verfusselt sich gern darin.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob wir beide noch immer an die selben Dinge denken, manchmal. Ich weiß nicht, ob sich unsere Begeisterung für bestimmte Projekte noch immer potenzieren würde und wir berauscht von den Möglichkeiten aufs Gratewohl loslaufen würden, einfach so in die gleiche Richtung. Zumindest treffen wir uns jetzt wieder gelegentlich, wo wir doch fast Nachbarn sind. Wir legen unsere Terminkalender nebeneinander wie früher und machen mit der Brechstange Platz für ein Treffen. Und wenn ich ein massives, altes Kinderbett erstehen sollte, dann werde ich ihn fragen, ob er es mit seinem alten Transporter fahren wird. Und ich bin sicher, er wird es tun.</p>
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		<title>Nele am Ufer</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Mar 2008 14:42:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Planet Wedding &#124; Dominique</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Neles Lieblingskneipe hat eine Weddinger Adresse. ‚Wieso das?’, frage ich mich, frage ich sie. Die Antwort ist schlicht wie plausibel und hat nichts mit dem riesigen Barbeque-Cheeseburger oder den gehaltvollen Nudelgerichten auf der Tageskarte zu tun. Ganz sicher wird auch niemand auf die Idee kommen, wegen des mit Leuchtfarben an die Wand gemalten Getiers ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neles Lieblingskneipe hat eine Weddinger Adresse. ‚Wieso das?’, frage ich mich, frage ich sie. Die Antwort ist schlicht wie plausibel und hat nichts mit dem riesigen Barbeque-Cheeseburger oder den gehaltvollen Nudelgerichten auf der Tageskarte zu tun. Ganz sicher wird auch niemand auf die Idee kommen, wegen des mit Leuchtfarben an die Wand gemalten Getiers ein Empfehlungsschreiben für das Lokal zu verfassen.</p>
<p>Ich mag Nele. Jung, musisch sehr talentiert, schnell im Kopf und von der Sorte „eine Frau, ein Wort“. Ein Abend mit ihr lässt Energien fließen. Wir sitzen am Fenster an einem der Holztische, die entgegen der Cocktail-Szene-Bar-Regel aus hellem Material gefertigt sind. Schick sind dazu die alten hölzernen S-Bahnbänke, ungewöhnlich der Nicht-Tresen. Selbstbedienung möchte man vermuten, doch es wird am Tisch serviert.</p>
<p>Nele erzählt Unglaubliches von rauen Weddinger Nächten, in denen man die Kellnerinnen des nachts bitten muss, die zur Sicherheit zugeschlossene Tür zu öffnen, um hinausschlüpfen zu können in die Nacht. Und von Zeiten, in denen man das Uferlos als Gast aus den selben Gründen gar durch die Küche verlassen musste. Ich schaue mich um, sehe die gemütliche Poker-Männerrunde (heute ohne Spielkarten versammelt), die gemächlich speisenden Pärchen und die in Finsternis und Stille gehüllten Straßenzüge vor den Fenstern und weiß nicht so recht, ob Neles Gruselgeschichten Fiktion sind oder Realität.</p>
<p>Ich suche nach Belegen für Neles Fantasie, finde aber nur eine mittelgroße Kiste mit Kinderspielzeug am Boden und eine Tür mit dem Schild „Speisereste“. Ein Toiletten-Witz made in wild, wild Wedding.</p>
<p>Wir essen und reden und reden und essen. Blicke, Gedanken, entspannte Plauderei. Den Milchkaffee kann man trinken, finden wir Kaffeesüchtigen. Und am Ende verstehe ich es. Nele mag den Senefelder Platz, Friedrichshain und die Oderberger Straße. Doch hier ist ihr Kiez und das Uferlos ist ihr Fixpunkt im Revier.</p>
<p><em>Uferlos, Uferstraße 13, <span class="postal-code">13357 Berlin</span></em><br />
<img width="1" src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e31951b9e4faf8c6082f345e60a090" height="1" /></p>
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