Mein Müll, dein Müll
Gestern habe ich das erste Mal im Müll gewühlt. Und das kam so: In Gedanken bei der Pro-Reli-Abstimmung und im Gespräch mit dem Mit-Weddinger, den Kinderwagen balancierend, wollte ich weibliches Multitasking demonstrieren und die Mülltüte entsorgen. Drei Dinge gleichzeitig? Kein Problem für mich! Die Tüte verschwand im Container, das Gespräch lief weiter die Straße entlang, das Pro-Reli-Kreuz wurde in der Seniorenanlage geleistet.
“Wo ist eigentlich die Tüte”, fragte ich irgendwo zwischen den Themen auf dem Weg zur Feier. “Tüte?”, gab der Mit-Weddinger zurück, während sich ratlose Blicke kreuzten. “Na die Tüte mit dem Geschenk”, erklärte ich. Mit dem Müll war auch die Nicht-Müll-Tüte der Entsorgung anheim gefallen.
Mit beiden Armen hingen wir im Container als eine blonde Dame uns ansprach. Sie lobte unseren pragmatischen Ansatz: “Ist ja nicht schlimm. Wenn man etwas braucht … Ich mach das auch manchmal. Was die Menschen so wegwerfen!” Ohne die Reorganisation des Containerinhalts zu unterbrechen, gaben wir unsem Peinlich-Berührt-Sein Stimme und erklärten uns stammelnd: “Ist nur, weil … so ist es nicht … wir haben aus Versehen …”
Die blonde Dame hat uns unsere Geschichte vermutlich nicht geglaubt. So wie wir dem Müllsammler, der während unserer versehentlichen Wegwerfaktion im Nachbarbehältnis wühlte, nicht geglaubt hätten, hätte er uns irgendwelche Erklärungen gegeben. Doch er tat es nicht, Scham hat er wohl überwunden.
Die Tüte mit dem Geschenk, die tauchte übrigens wieder auf. Völlig unversehrt. Ich lerne aus der Geschichte: Auch Müllrunterbringen verlangt nach Konzentration!
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Sieh da, ein Seepferdchen!
Dienstags steht Modern Social Science auf dem Stundenplan und ich gehe zur Mittellangzeitstudie ins Restaurant Seepferdchen am Kombibad in der Seestraße. Ich bestelle mir eine heiße Schokolade mit Sahne und freue mich als erstes über die Sahne. Denn die verdoppelt hier glatt die Menge des Kakaogetränks.
Die Herrschaften hinterm Tresen sind nette Leute. Sie bitten mich zu Tisch, auch wenn ich vor der Öffnungszeit komme und sie flirten stets mit dem mitgebrachten Sohnemann und haben nichts dagegen wenn er liegend einen ganzen Tisch blockiert, auch wenn es eigentlich ein Spielecke für ihn gäbe.
Würde das Servierpersonal hinter seinem Tresen stehend geradeaus schauen, sähe es das Treiben in der Schwimmhalle. Es sähe badende Väter, planschende Mädchen und Kinder, die sich im Schwimmkurs um das Seepferdchen bewerben. Doch die Damen und Herren, die bei Ersan in Lohn un Brot stehen, sehen nicht geradeaus. Sie servieren Belohnungs-Pommes, Milchkaffee und Heiße-Schokolade-mit-Sahne.
Die Restaurant-Mitarbeiter ignorieren das ewig gleiche Plansch-Programm. Ich schaue auch nur selten durch die große Scheibe ins Schwimmbad, wenn, dann nur, um die Erfolge des kleinen Mädchens mit dem rosa Badeanzug nicht zu verpassen. Eigentlich sehe ich mich im Restaurant um.
Dienstags ist Schwimmkurstag. Während die frischgebackenen Schulkinder im Becken das Brustschwimmen erlernen, sitzen ihre Mütter beim Milchkaffee im Restaurant. Sie stellen ihre kleineren Kinder in der Babyschale neben den Tisch, gruppieren sich um den Milchkaffee und winken gelegentlich durch die Scheibe. Ansonsten sind sie ins Gespräch verstrickt. Sie ballen sich zusammen zu Mama-Cliquen, die ihre Kinder-Auszeit bei Kaffee und Spinatkuchen genießen.
Ich falle immer etwas aus dem Bild. Mein einziger Gesprächspartner ist viereinhalb Monate alt und ich trinke die Schokolade nebenbei, während ich mich mit ihm über die Beobachtungen im Zwischenmenschlichen freue.
Neulich verlor ich den Status als unbeteiligte Beobachterin. Eine türkische Mutter bat mich um Wickelutensilien (die ich ihr gern gab). Und mit der Frau am Nebentisch entspann sich ein Gespräch. Sie wartete nicht auf ihr eigenes Kind. Sie war Familienbetreuerin und behielt ihren Schützling vom Seepferdchen aus gut im Auge. Plötzlich war ich mittendrin.
Ein Schwimmlehrer schlenderte zur Tür herein, wedelte bei der Mama-Clique mit den begehrten Seepferdchen-Zertifikaten, der einzelne Herr tippte wieder in seinen PDA, der Opa spendierte seinem süßen Enkel ein Kaltgetränk und eine ältere Spaziergängerin reichte dem verdutzten Kellner mit der größten Selbstverständlichkeit Pfandflaschen über den Tresen. Ich nehme an und schließe aus der Reaktion des Kellners, das Restaurant ist keine Pfandannahmestelle.
Es ist Leben im Restaurant am Schwimmkursdienstag. Und ich gehe gern hin und tue so als würde ich Sozialstudien betreiben. In Wahrheit will ich was sehen vom Weddinger Leben. Und wenn ich mal ganz übermütig werde, dann miete ich den Laden. Falls ich mal etwas zu feiern habe vielleicht. Nur nicht am Schwimmkursdienstag. Dann nun nicht.
Das Restaurant Seepferdchen am Kombibad Seestraße 80 hat täglich 10-21 Uhr geöffnet.
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Ein Herz für Blogs
Ich bin ein neugieriger Mensch. Ich will sehen, erleben, genießen. Und ich habe – ich wollte dieses seltene Wort schon lange mal verwenden – Sendungsbewusstsein. Manche nennen mich wohlwollend Multiplikatorin, manchen gehe ich auf den Geist. Denn ich schreibe. Über das, was ich erlebe.
Ich bin ehrlich: Ich lese wenig. Ich erlebe viel und schreibe hier und da und dort. Meine Zeit ist mir teuer und ich schreibe eher als dass ich lese. Die Aktion “Ein Herz für Blogs” vom StyleSpion hat mich daran erinnert, dass ich eigentlich auch gern lese. Das ist mein ganz persönlicher Mehrwert. Danke dafür nach Köln!
Gern und recht regelmäßig lese ich bei Mek Wito. Er bloggt wie ich aus Berlin und wenn wir auch fast Nachbarn sind, kennen wir uns doch nicht. Ich zumindest kenne ihn nur von seinem Tagebuchblog. Ich mag seinen Stil, so nett, so greifbar, so Every-Day-Life halt.
Wenn ich mal richtig Zeit habe, lese ich bei Andreas Glumm. Sein Blog ist nichts fürs Nebenherlesen. Man schlägt schon ein Buch auf, irgendwie. Gern mag ich auch Merlix’ Herzdamengeschichten. Dass er auch hübsche Fotos macht, freut mich sehr. Auch wenn ich wenig Zeit habe, habe ich dann etwas von Seitenbesuch. Gelegentlich schaue ich auch beim Nuff vorbei. Komischerweise seltener seit ich selbst ein Kind habe. Eigentlich schade. Ich nehme es mir wieder öfter vor.
Für einen kleinen Kiezblog aus’m Wedding nehme ich mir jedoch immer Zeit. Er ist mein Heimatkanal, hier erfahre ich, was bei mir um die Ecke los ist. Der Blog ist noch neu, noch klein und etwas schüchtern. Doch man merkt schon, dass er auf charmante Art wachsen wird. Das eine oder andere Lesestück gibt es inzwischen aber auch und ich warte jeden Tag auf Neuigkeiten aus diesem speziellen Teil von Berlin.
Mit dem Wedding-Blog endet diese Liste. Mehr Zeit zum Lesen habe ich wirklich nicht. Ob das jemand versteht?
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Ein Magazin, ein Magazin!
Ich liebe Magazine! Von mir aus kann jeder Bezirk, jeder Kiez in Berlin ein eigenes Heftchen haben. Pünktlich zum Monatsanfang möchte ich sie bitte alle auf meinem Schreibtisch haben: die Lesegeschichten aus dem Bergmannkiez, Neuigkeiten aus dem Stephankiez, hübsch Gestyltes aus dem Körnerkiez. Bitte her mit den Zeitschriften, ich lese sie alle.
Gerade habe ich wieder einmal eines dieser Heftchen entdeckt. Es heißt wie sein Kiez “Afrikanisches Viertel”. Neuigkeiten aus dem Wedding. Ich hatte es kaum aufgeschlagen, da wurde ich gefragt wie ich es nun finde, aus professioneller Sicht. Eine Manöverkritik muss her.
Ich finde es spannend, dass mir ein Blick in eine Welt gewährt wird, die ich nur vom Lesen der Straßennamen her kenne. Ich blättere durch den Kiez und meine Idee vom afrikanischen Viertel wird konkreter, bekommt Namen und Gesichter. Es gibt schöne historische Aufnahmen, die Zeitzeugen aus ihren Schatzkisten geborgt haben, es gibt nette Textideen und einen sehr aufklärerischen Ansatz.
Dass das Magazin aus verschiedensten Töpfen gefördert wurde, ahnt man schon beim Anblick der Titelseite. Das muss ja kein Nachteil sein. So kann man sich wenigstens gutes Papier leisten, eine vernünftige Auflage (3000 Stück) und einen vernünftigen Druck.
Es ist nicht leicht, ein gutes Magazin zu machen, wenn man ein so eingegrenztes Thema hat. Wenn man nicht aus dem Vollen schöpfen kann, die Themen zwar irgendwie da sind (wenn man sich auskennt), aber doch oft nicht so spektakulär sind wie anderswo.
Ich mag das “Afrikanische Viertel”, weil ich Magazine wie diese mag. Ich mag, wenn mir eine neue Welt ins Wohnzimmer getragen wird. Doch ich bin, fragt man mich nach meiner professionellen Meinung, anspruchsvoll, insbesondere was die Schreibe betrifft. Hier bin ich nicht überzeugt. Ich versuche, das Manko als Charme umzudichten und überlege nebenbei, an wen sich das Heft eigentlich richtet. Vielleicht an Menschen, die Schatzkisten mögen, die ihre Stadt etwas besser verstehen wollen, die neugierig sind und weltoffen. Und die wissen, dass es gut ist, ein solches Magazin zu haben.
“Afrikanisches Viertel” kostet 3 Euro und ist im Antiquariat Mackensen und Niemann in der Malplaquetstraße 13 sowie bei Kulturvereinen und in Afroshops im Wedding erhältlich.
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Blätter, blätter
Die Sonne scheint, der Frühling blüht. Ich schob die Gardine beiseite und merkte, dass ich meine Begeisterung für das Erwachen der Natur verloren habe. Schon wieder Frühlingswetter! Deshalb bin ich heute drinnen geblieben und habe die neue Ausgabe von “Der Wedding” gelesen. Darin kommt kein Frühling vor.
Im aktuellen Magazin geht es um Verwandtschaft. Ich habe es von vorn bis hinten durchgelesen. Ich weiß noch, dass ich einst die erste Ausgabe, sie erschien wohl vor etwa einem Jahr, bei meinem Vermieter herumliegen sah und dass ich nichts damit anfangen konnte. Heute ärgere ich mich, kein Exemplar mitgenommen zu haben.
Ein hübsches Magazin, locker gestylt ohne überdreht zu sein. Unaufgeregt, gut geschrieben (was mir wichtig ist), interessant gedacht. Einzig das Lektorat wurde, sagen wir mal, mit der schnellen Nadel erledigt.
Die Redaktion besteht nur aus einer Person, aber mitgeschrieben haben viele, unter anderem die Brauseboys Paul Bokowski, Nils Heinrich, Robert Rescue, Heiko Werning und Volker Surmann. Nachdenklich und gleichzeitig amüsant ist der Duktus der Texte, und immer unterhaltsam. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Text über das Abendbrot und die beiden Texte über das Westpaket (einer aus West- und einer aus Ostperspektive). Ich möchte auch die Bebilderung hervorheben: wirklich chic.
Jetzt, da ich die letzte Seite umgeblättert habe, ist auch meine Frühlingslust wieder da. Doch jetzt kommen Wolken. Ob es bis zur nächsten Krise eine neue Ausgabe gibt?
“Der Wedding” kostet 5 Euro und ist hier erhältlich.
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Pinkepanke
Es gibt Menschen, die setzen sich abends vor den Fernseher und lassen sich die Netzhaut beflimmern. Es gibt Menschen, die bringen der Freundin Brett- und Kartenspiele bei. Gegen die Langeweile. Und es gibt Menschen, die stecken ihre Zeit in Projekte, ins Bloggen, ins Dichten, ins Heimwerken. Gestern habe ich Menschen getroffen, die all ihre freie Feierabendzeit der Panke widmen.
Die Panke soll wieder ins Bewusstsein der Menschen gelangen. Das geht so: einer programmiert die Internetseite, einer macht den Fremdenführer, einer schreibt sich die Finger blutig und fotografiert jeden Grashalm entlang des Flüsschens, schaut einen Kilometer rechts der Panke und einen Kilometer links der Panke nach Interessantem für sich und die Allgemeinheit.
Interessante Leute, denke ich. In unendlicher ehrenamtlicher Fleißarbeit haben sie eine riesige Datenmenge zusammengetragen, verbinden Wedding und Pankow, Wasser und Land. Basteln Karten, bieten kostenfreie Führungen für Jedermann an und gründen jetzt (13. Mai 2009) sogar einen Verein. Ich sitze am Redaktionstisch (die Sitzungen sind öffentlich und werden auf der Internetseite veröffentlicht), trinke Bionade und warte auf die unumgängliche Frage, ob ich nun mitschreiben will oder nicht. Dann kommt sie. “Und, machst Du nun mit?”, fragt Chefredakteur Joachim Faust. Ich schweige laut.
Die Panke. Ein hübsches Flüsschen. Aber ist nicht längst alles von den Enthusiasten aufgeschrieben worden? Und passt mein leichter Plauderton in ein solches Projekt? Und wo bleibt das gedruckte Papier für meine Eitelkeit? Und kann sich mein vagabundierendes Schreiberherz an ein Thema binden? Ich bin unschlüssig. Doch das Ziel des Prokjekts ist längst erreicht: die Panke ist in meinem Bewusstsein angekommen. Was sie dort noch treiben wird, wird sich zeigen. Ich wünsche den Datensammlern und – aufbereitern jedenfalls viel Erfolg mit ihrem interessanten Wässerchen.
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Schöner Vinetaplatz

Durch die Blüte gesehen.
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Es war einmal in Berlin
Wenn man mal ein Notstromaggregat benötigt (kann ja sein) oder eine Couch aus den 50er Jahren mit Blumendekor oder eine Auskunft über interessante Flohmärkte in Berlin oder eine CD mit selbstgemachter nonprofit-Musike, dann fragt man Hannes. Hannes ist in allen Fragen der Improvisation bewandert, das hat er in der DDR offenbar gründlich gelernt, und kennt jeden alternativen Partytermin in der Stadt.
Ich kenne Hannes aus der Zeit als gleich nach der Wende in eingefallenen Kellern im Zentrum Berlins die Technobewegung geboren wurde. Wir zogen gemeinsam durch endlose Nächte von Party zu Party und Hannes drehte gelegentlich das schwarze Gold auf dem Plattentellern bis zur Besinnungslosigkeit (der Tonträger, nicht unserer). Wir teilten die Begeisterung für die Aufbruchstimmung, das leicht morbide, die Kreativität in der Berliner Luft. Mit seinem Trabant sausten wir durch die Stadt, tausend Projekte im Kofferraum. Als Hannes 1994 auf der Love Parade auflegte, stand ich auf dem Wagen neben ihm und tanzte im knappen Shirt zu seiner Musik, als es Partys zu organisieren gab, war ich an seiner Seite. Wie Pat und Patterchon.
Nach vielen gemeinsamen Jahren, in denen ich ihm gelegentlich Obdach gab, trennten sich unsere Wege. Wie und warum das geschah, weiß ich nicht genau.
Jetzt haben wir uns wiedergefunden. Im Wedding. Hannes wohnt in einem alternativen Wohnprojekt im Wedding, ich wohne einige Straßen weiter und bin, so sagte man mir, vermutlich viel spießiger geworden als damals. Bürgerlich mit wilder Ehe und Kind und Neubauwohnung und Balkon. Doch wenn ich Hannes treffe, fühle ich mich wieder ein wenig wie früher. Tief in mir drin bin ich noch ein wenig die, die ich früher war. Man sieht es nur nicht mehr so leicht. Hannes ist auch ruhiger geworden. Er ist jetzt verlobt. Er trägt noch immer viele Ideen mit sich herum und verfusselt sich gern darin.
Ich weiß nicht, ob wir beide noch immer an die selben Dinge denken, manchmal. Ich weiß nicht, ob sich unsere Begeisterung für bestimmte Projekte noch immer potenzieren würde und wir berauscht von den Möglichkeiten aufs Gratewohl loslaufen würden, einfach so in die gleiche Richtung. Zumindest treffen wir uns jetzt wieder gelegentlich, wo wir doch fast Nachbarn sind. Wir legen unsere Terminkalender nebeneinander wie früher und machen mit der Brechstange Platz für ein Treffen. Und wenn ich ein massives, altes Kinderbett erstehen sollte, dann werde ich ihn fragen, ob er es mit seinem alten Transporter fahren wird. Und ich bin sicher, er wird es tun.
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Friedrichshain im Wedding
Lesebühne. Man denkt an die Surfpoeten, an Friedrichshain und den R.A.W.-Tempel. Man denkt an Volker Strübing, weil der wirklich lustig ist. Man denkt an LSD (Liebe statt Drogen), an im Halbkreis sitzende Herren jenseits der 30, die sich jung fühlen und ihre selbstgeschriebenen Texte bei einem Bierchen vortragen. Das Publikum sitzt auf Biertischgarnituren oder, wenn’s voll wird und wenn es mutig ist vor, hinter, neben den Literaten der Neuzeit.
An den Wedding habe ich nie gedacht. Doch der Friedrichshain ist auch hier zuhause. An diesen Gedanken muss man sich erst gewöhnen, aber ja, es ist so. Seit 2003 gibt es die Brauseboys, eine Lesebühne aus und im Wedding. Die Sechser-Herrenrunde ist nicht weniger lustig und Volker Strübing war auch schon da. Nachdem die Boys lange in einer kleinen Location, dem Laine-Art, residierten, sind sie nun umgezogen ins La Luz in den Osramhöfen.
Das La Luz ist eine schicke Location mit Empore und Klavier und großer Bühne und hübschem Ambiente, könnte auch in Mitte sein. Aber ups! Ist ja Mitte. Wedding-Mitte. Jeden Donnerstag also lesen die Mitte-Weddinger in Wedding-Mitte, immer ab halb neun. Manchmal mit Gästen. Ich war da, gerade eben sozusagen, und ich muss sagen: Ich habe gelacht. Mindestens so laut wie im Friedrichshain. Nur der Weg nach Hause war kürzer.
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Wohnung zu klein?
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